Der Bau

 

               Salginatobelbrücke

Welt Monument

seit 1991

Die Ausschreibung erfolgte im Sommer 1928. Zwei Monate später war das Kantonale Bauamt im Besitz von 19  Projekten für einen Tobelübergang. Man bevorzugte die günstigste Offerte der Firma Prader, obwohl man der  ungewohnt schlanken Konstruktion nicht recht traute. Es handelte sich dabei um das Projekt von Robert Maillart, dem es einmal mehr gelungen war, durch sparsamste Verwendung des damals sehr teuren Materials Stahlbeton die wirtschaftlichste Brückenlösung zu finden.

 

Der Bau wurde zur offerierten Pauschalsumme von Fr.135‘000.-- vergeben.

Das viel beachtete Lehrgerüst von Richard Coray kostete weitere Fr.  45`000.--. Im Spätsommer 1929 wurde es von  nur sechs Arbeitern auf einem riesigen Reissboden in der Nähe des heutigen Gemeindesaals abgebunden und im  steilen Tobel aufgestellt. Der Holzbedarf betrug rund 700 m3 und konnte aus gemeindeeigenen Waldungen gedeckt  werden.

Die Betonierungsarbeiten erfolgten 1930 in der unglaublich kurzen Zeit von nur drei Monaten. Das gesamte Betonmaterial wurde von Hand gemischt und mit Karretten zugeführt. Die heikelste Phase war der Guss der dünnen   Bogenplatte, welcher ohne Unterbruch von beiden Seiten her absolut symmetrisch durchgeführt werden musste und  nach 40 Stunden mühevoller Arbeit vollendet war.

Mitte August 1930 konnte das Lehrgerüst abgesenkt und das  Bauwerk dem Verkehr übergeben werden.

 

In der Geschichte der Brückenbaukunst ist die Salginatobelbrücke längst ein Markstein. Ihre revolutionäre Konstruktion  hat neue Akzente gesetzt und Bauingenieure in allen Erdteilen beeinflusst. Das dreigelenkige Bogentragwerk bildet ab  den Viertelspunkten zum Scheitel hin einen steifen Hohlkasten: Gewölbe, Seitenwände und Fahrbahn sind zu einer schlanken Einheit zusammengeschmolzen. Umgekehrt verjüngen riesige Aussparungen der Seitenwände den Bogen  zu den Auflagern hin.

Die optische Wirkung ist bestechend - wie ein riesiger Windhund springt die Brücke an die  lotrechte Felswand. Die unverzierte Klarheit der in dünne Platten und Scheiben aufgelösten Form begeistert Fachleute und Laien gleicher - massen und wirkt zeitlos modern. Nie zuvor ist Stahlbeton sparsamer und eleganter angewendet worden.                                     

Technischer Steckbrief

 

 

 

Konstruktion:

Dreigelenkbogen mit Betongelenken, als Hohlkastenträger ausgebildet

Baustoff:

Stahlbeton

Gesamtlänge:

132.30 m

Fahrbahnbreite:

 3.50 m

Steigung der Fahrbahn:

3 % oder 3.97 m

Stützweite des Bogens:

 90.04 m

Pfeilhöhe:

12.99 m

Abmessungen der Bodenplatte:

Bei den Kämpfern 0.40 x 6.00 m, im Scheitel 0.20 x 3.80 m

Tragkraft:

8 t oder 350kg/m2

Höhe über Wasser:

90 m

Projekt:

Ingenieurbüro Maillart, Genf

Ausführung:

Florian Prader & Cie., Zürich/Genf

Lehrgerüst:

Gerüstunternehmung Richard Coray, Trin

Bauzeit:

1929 - 1930

Gesamtkosten:

CHF 130‘000.—